Strafe muss sein oder ein „falscher Fehler“.

„Das ist ein guter Tag“ sagte ich mir heute Morgen beim Aufstehen. Freunde hatten uns zu einer Hausboottour auf der Müritz für das kommende Wochenende eingeladen. Durchaus ein Grund sich zu freuen. Denn eine frische Brise, belebende Sprünge ins kalte Nass, ein paar kühle Blonde mit den Freunden zischen und eventuell den einen oder anderen Angelerfolg in Aussicht gestellt zubekommen – da geht einem doch das Herz auf. Oder? Und da lag es durchaus nahe, sich vorab schon einmal um eine offizielle Angelkarte für den Raum Müritz zu kümmern. Soll ja perfekt werden und nicht mit immensen Straffengeldern fürs Wildfischen enden.

Gesagt, getan. Ab in Richtung Roggentin zu AngelJoe, dem Angelprofi schlechthin. Ich stehe also in der Abbiegespur an der Ampel Höhe Shelltanke und warte auf Grün, als mein Handy nach mir zu schreien begann. Das Handy aus der Hosentasche gezwängt und einen Blick auf das Display geworfen. Aha, die Schwiegermama. Prompt bestätigte sich meine Vermutung. Man hatte mich gesehen und wollte nur sichergehen, dass ich nicht zu Ihnen auf den heimischen Hof wollte, weil man gerade in die Gegenrichtung unterwegs war. Tja, Schwiegermutters geschultes Auge entgeht nichts. Sie hatte mich im Gegenverkehr wahrgenommen. Leider aber auch ein weiteres Paar Augen, die einem sympathisch dreinschauenden Uniformierten in einem blau-silbernem Sixpack zuzuordnen waren.

SCHEISSE! Ähm … Schwiegermama? Ich muss Schluss machen. Polizei. Ich bog vorschriftsmäßig ab und blickte ängstlich in den Rückspiegel. Verdammt, beim Sixpack ging das Rückfahrlicht an und man wendete. Kein Blaulicht. Bitte lieber Gott, wenn es Dich gibt, dann bitte jetzt alle umliegenden Einheiten zur Rettung einer kleinen Miezekatze ausrücken lassen. Ok. Es wäre eine Chance für Gott gewesen, sich anzubiedern. Hat er nicht gemacht. Aber das ist ein anderes Thema.

Also bog ich mit gebanntem Blick in den Rückspiegel auf den Parkplatz bei AngelJoe ein und suchte mir in der Nähe zum Eingang einen Platz aus. Kurz hatte ich gehofft, dass der liebe Herrgott mich wohl doch erhört hatte. Ätsch. Dem war nicht so. Das blausilberne Monster erschien hinter einer Hecke und kam dann direkt auf mich zu. Das war´s dann wohl, dachte ich und stieg aus. „Sie wissen was sie falsch gemacht haben?“ frug der braungebrannte Officer, der ebenfalls ausgestiegen war. Zu ihm gesellte sich eine etwas blasse aber nicht unattraktive junge Blondine. „Verkehrskontrolle. Fahrzeugpapiere, Führerschein und Ausweis bitte“ bekam ich von ihr zu hören. Kennt eigentlich einer noch den Film „Tage des Donners“ mit Tom Cruise und der falschen Polizistin, die eigentliche eine …? Ich schweife ab. Sorry. Nach meinem Schuldeingeständnis und der darauffolgenden Belehrung erfragte ich dann noch die zu erwartende Straffe. „60 Euro wird sie das kosten“ meinte der Mann und seine Kollegin ergänzte dann noch fix: „Und einen Punkt gibt es noch obendrauf“.

Das dazu. Was für ein schöner Tag. Und wenn ich jetzt noch ergänzen darf, dass mich der gute Mann bei AngelJoe an die örtlichen Fischer und Angelläden rund um die Müritz herum verwies, weil man nur dort die offiziellen Angelkarten erwerben könne …

Mit diesem Wissen und das auch etwas früher kommuniziert, wären mir die 60 Euro und das Pünktchen in Flensburg (Prost) wohl erspart geblieben.

Es kann nur besser werden. Ich wünsche Euch ein schönes und erholsames Wochenende und bitte nicht beim Autofahren telefonieren.

Advertisements

Ich und alt.

In den Siebzigern geboren. Verdammter Mist. Bin ich etwa ALT? Offensichtlich. Es fühlt sich aber nicht danach an. Meistens zumindest. Natürlich gibt es Tage, da spüre ich jeden Knochen in mir. Das liegt dann aber eher an den nichtalltäglichen Tätigkeiten, wie das Vollziehen von Umzügen, ungeliebten Auf- und Umräumaktionen oder sportlichen Aktivitäten mit den Kumpels. Der alten Zeiten wegen. Leider viel zu seltenen. Und daher immer mit Schmerzen verbunden.

Niemand kann leugnen, dass die Zeit an Einem einfach so vorbei zieht. Auch der Alkohol scheint heutzutage spürbar mehr als zu meinen Sturm- und Drangzeiten seine Wirkung zu entfalten. Mitunter ist das aber auch ein Zeichen mangelnden Trainings. Vielleicht geht das auch mit der sich immer weiter entwickelnden Vernunft einher. Oh Gott … ich bin wirklich alt. Floskeln, wie diese kannte ich früher nicht.

Ich habe kapiert, dass sich die Zeit in so vielen Dingen widerspiegelt und es ist mir klar geworden, dass nichts für ewig wehrt. Mein Töchterchen zum Beispiel. Sie wird bald 11 Jahre alt. ELF JAHRE ALT. Das scheint mir ein anderes „elf Jahre alt“ zu sein als zu meiner Zeit. Überhaupt sah ich in ihrem Alter eine Menge Dinge mit anderen Augen. Mehr mit Kinderaugen. Jetzt könnte man mir mit der Pubertären Weiterentwicklungskeule von Mädels gegenüber gleichaltrigen Buben kommen. Aber nein. Ich kann mich noch gut an meine Mädels in der fünften Klasse erinnern. Die waren allesamt anders. Das soll nicht bedeuten, dass ich nicht gutheiße, wie sich mein Kind entwickelt. Nein. Aber warum lässt sie sich nicht noch etwas Zeit damit? Also mit dem Erwachsenwerden.

„Es ist einfach eine andere Zeit gewesen“, hat mir unlängst ein Kumpel im Gespräch über den Wandel der Generationen an die Birne geknallt. Der mediale Einfluss war anders. Klaro. Wir hatten einen medialen Einfluss einfach nicht oder so gut wie gar nicht. Kein Markenbewusstsein. Ich kannte kein Adidas, Fruit of the Loom oder Nike. Wobei, doch … wir nannten die Shirts allesamt Nicki. Aber das hat wohl wenig bis gar nichts mit Nike zu tun. Egal. Was ich damit sagen will, dass sich so viele Dinge seither verändert haben. Und viele Dinge zum Nachteil, wie ich finde.

Früher war es eine echte Strafe für uns Lütten Stubenarrest erteilt zu bekommen. Heute musst du die Kids vor die Tür jagen, damit sie ein bisschen Farbe abkriegen. Heute ziehen Verbote von TV, Pc und Smartphone mehr denn je. Apropos Smartphones. Hatten wir auch nicht. Wir sind früh raus und spät wieder rein. Heute hat jeder so ein Smartphone. Jeder Zeit erreichbar. Volle Kontrolle. Und wenn mal nicht. Ja dann ist die Hölle los. Warum bist du nicht an dein Handy gegangen. Ich bin vor Sorge fast gestorben. Ein hausgemachtes Problem – ich weiß. Aber eben auch eine Quittung der sich immer ändernden Zeit. Kannst deinem Kind ja nicht verwehren, was andere Kinder und du selber auch machst.

Zum Glück sind da aber auch noch die Momente, wo sich meine Lütte ihrem Alter entsprechend wie eine Elfjährige verhält. Die kindliche Vorfreude auf bevorstehende Geburtstage. Der Wunsch nach Spielsachen. Ich staune dann zumeist, wie sie von einer Sekunde auf die andere von der frühfraulichen Person mit Lippenstift und Nagellack wieder zu meiner kleinen Püppi wandelt. Ich weiß aber auch, dass diese Momente immer mehr verschwinden werden. Wir werden nun mal alle älter.

Ohne

Ohne … bin ich kein Mensch – eine leere Hülle nur.
Ohne … falle ich tief – kann nichts fassen.
Ohne … klingt jeder Ton nach Moll – verblasst ist Dur.
Ohne … quetschen Steine meine Brust – Geröll in Massen.

Ohne … die Sonne nicht wärmt – ihr Schein ist schwach.
Ohne … der Tag nicht geht – die Nacht sich streckt.
Ohne … zähle ich die Sekunden – liege noch lange wach.
Ohne … der Mond trostlos wacht – schlaflose Gedanken heckt.

Ohne … schmeckt alles fad – ist Süßes bitter.
Ohne … fehlt es an Leichtigkeit – stürzt ein Blatt so schwer.
Ohne … getrübte Märchenwelt – kein Feenstaub ohne Glitter.
Ohne … ausgetrocknete Wüste – weiter Strand ohne Meer.

Ohne Dich.

Eingemauert?

Ein Kind der Wendezeit.

Genau ein Monat nach dem Mauerfall feierten wir gemeinsam meinen 12. Geburtstag. Ein Monat, der bereits so viel Neues mit sich brachte. Es war eine chaotische Zeit des Um- und Aufbruches. Und wir waren mittendrin. Ich war zu jung, um die Zusammenhänge im Ganzen verstehen zu können. Wiederum war ich alt genug, so dass ich heute rückblickend meinen Eindruck wiedergegeben kann.

Auf Rügen, in der beschaulichen Hafenstadt Saßnitz waren wir weit ab vom Schuss, so dass uns die Vorgänge in Berlin, Leipzig, Rostock und in den vielen weiteren Demonstrationshochburgen verborgen blieben. Und so kam es auch, dass der 9. November für uns ein Tag, wie jeder andere war. Erst am Morgen danach, am 10., hörte meine Mutter im Radio auf DT64 eine Live Reportage vom Kudamm. Ihr erster Gedanke – so früh am Morgen schon ein fiktionales Hörspiel im Radio – die spinnen wohl. Doch schnell begriff sie, dass sie da im Radio die Gegenwart, und aus heutiger Sicht, Geschichte pur serviert bekam. Sie rief meinen Vater zu sich und beide begannen erst gespannt zu lauschen und dann aufgeregt zu diskutieren. Jetzt wurden wir, meine zwei Jahre jüngere Schwester und ich aufmerksam. Es war irgendetwas passiert. Und ab da änderte sich alles.

Die Schulen halb leer. Betriebe unterbesetzt. Niemand hatte einen Plan. Und schon kehrten die Ersten aus dem anderen Deutschland wieder heim. Warst Du wirklich drüben? Wie war es da? Haste was mitgebracht? Irgendwann sind wir dann auch in den Westen gefahren. Knapp 3 Wochen später. Nach Lübeck. Einfach mal gucken. Überwältigend war das. Eine Reizüberflutung für uns Kinder und für meine Eltern eine Menge Unsicherheit gepaart mit Neugier.

Wie schon erwähnt, Rügen war weit weg vom Rummel. Daher kannten wir Inselkinder auch kein Westfernsehen. Den ersten Kontakt mit westlichen Medien hatte ich knapp ein Jahr zuvor, als wir meine Tante in Berlin besuchten. Die hatte unzählige, mir nicht bekannte Sender in ihrer Glotze zur freien Auswahl. Ein echter Kulturschock für mich. Bis dato war das Fernsehen nicht wirklich eine Option. Wunschbriefkasten, Fernsehballett oder Sandmann? Das ging mir am Allerwertesten vorbei. Aber diese unbekannte Sendervielfalt und ins besondere dieser eine Film – Planet der Affen – ließen mich, wieder daheim in Saßnitz, lange nicht los. Was habe ich an der Antenne rumgebastelt und die Senderfrequenzen hoch und runter durchgesucht. Immer in dem Bewusstsein – das ist irgendwie nicht richtig. Hinterfragt hatte ich das Ganze nicht wirklich. Und die Zeit verging und ich verlor das Interesse an der fernen Fernsehlandschaft wieder.

Wir Kinder der Insel langweilten uns deshalb nicht. Wir hatten die Ostsee vor der Tür oder waren in Wald und Flur unterwegs. Irgendetwas gab es immer zu tun. Die Modelleisenbahn AG in der Schule. Bei Oma Schallplatten lauschen und dabei mit Buntstiften der Kreativität freien Lauf lassen. Mit Opa in der Garage rumwerkeln. Oder mit den Kumpels auf unseren Fahrrädern durch die Weltgeschichte rasen. Es gab genug Kurzweil für uns. Rügen war für mich ein wahr gewordener Traum.

Auch noch nach der Wende. Das Leben ging natürlich weiter. Anfänglich weniger geordnet und dennoch voran. Neues Schulsystem. Gymnasium. Neues Auto. Golf „Madison“. Und die weite Welt. Frankreich. England. Italien. Und, und, und. Mit meinen Eltern entdeckten wir nun das restliche Europa. Polen und Tschechei kannten wir ja zur Genüge. Und die Zeit ging weiter ins Land. Von Rügen nach Rostock. Schulende. Ausbildung. Bundeswehr. Job und dann die eigene Familie. Und nun?!

Zusammen mit meiner 10jährigen Tochter sitze ich gelangweilt vor der Glotze. Tausende bunte Kanäle und nur Mist. Und dann bleibe ich bei diesem einen Sender hängen. 25 Jahre Mauerfall. Die Bilder aus Berlin, die mir heute mehr als damals eine Gänsehaut und einen Knoten im Hals verschaffen. Und dann fragt mich meine Lütte. Papa, du hast doch auch in der DDR gelebt. Wie war es da? Ich überlege kurz und sage dann entschlossen. Es war eine andere Zeit. Aber es war auch wunderschön. Sie entgegnet mir. Aber die im Fernsehen sagen, dass das alles nicht gut war in der DDR. Das mag sein, entgegne ich ihr. Ich war damals noch ein Kind. Mir ging es gut. Unserer Familie ging es gut. Es gab viele Dinge, die wir nicht hatten und vielleicht auch deshalb nicht vermissten. Es ist mir nicht möglich ihr im Detail zu erklären, was mich mit der DDR und auch mit der Wendezeit so verband.

Stunden später, als ich das hier zu Papier gebracht hatte, war mir dann klar, warum ich alles so und nicht anders hätte noch einmal erleben wollen. Es waren nicht die DDR, die verwirrten Wendezeiten und auch nicht das Danach in einem vereinten Deutschland, was mich in meinen Erinnerungen fesselte. Nein. Es ist die Familie, die vielen lieben Menschen mit denen ich diese Zeiten erleben durfte, die mich prägten und zu dem machten, der ich heute bin. Viele dieser Menschen sind heute nicht mehr da. Aber damals waren sie es und darum möchte ich nichts von alledem missen. Ich hoffe meine Tochter wird eines Tages verstehen, was ich damit meine.

Sind wir schon da?

Ob nun auf ausgedehnten Touren oder auch auf kurzer Strecke, das Fahren mit dem Auto kann einem ziemlich aufs Gemüt schlagen. Gut beraten ist da der, der seine Wegbegleiter so richtig motivieren kann. Schon weit bevor das periodische „Wann sind wir endlich da?“ vom Beifahrersitz, der Rückbank oder aus dem Kofferraum dringt, kann das Einbringen von selbstmoderierten Autospielen für Kurzweil sorgen.

Dank der jähen Automasse, mit der man sich die Straßen teilen darf oder muss, ist das folgende Spiel absolut unterhaltsam und altersübergreifend spielbar. Voraussetzungen für den optimalen Spielfluss sind die eigene Sehkraft, das Erkennungsvermögen vorab festgelegter Autotypen und das Herausbrüllen selbiger Fahrzeugmarken durch jeden einzelnen Mitspieler. Meine Familie hat auf diese Regeln hin das Smartspiel ins Leben gerufen.

Funktionsweise wie folgt: Jeder erkannte Smart ergibt genau einen Punkt. Wer den Smart zuerst gesehen hat und dies kundtut, darf sich diesen Punkt gutschreiben. Das alleine macht das Smartspiel natürlich noch nicht spannend. Es müssen Sonderkonditionen her. Meine Holde arbeitet bei einer bekannten Rostocker Wohnungsgesellschaft. Nennen wir sie der Einfachheit einfach „Leben in Rostock“ – kurz LiRo. Quert ein Dienstfahrzeug des gleichnamigen Unternehmens den Blick eines Mitspielers und hat er dies nicht nur erkannt, sondern auch vor den Anderen mitgeteilt, darf er sich direkt 10 Punkte einstreichen. Weitere 10 Punkte fallen auf die immer seltener anzutreffenden Trabanten an. Auch Kombinationen lassen den Punktestand nach oben klettern. Quasi der LiRo-Smart und der LiRo-Trabant werden mit je 20 Punkten extra belohnt. Und es gibt sie wirklich. 30 Punkte erhält man für die LiRo-Werbebotschaft auf öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich denke das Prinzip ist klar. Einfach mal ausprobieren. Der Spaß kommt dann AUTOmatisch.

Und noch ein Tipp für „Alleinerumherfahrer“. Falls sich der Verkehr dickflüssig vor, hinter, rechts und links von Euch durch die Straßen quält, dann wird es Zeit für das Radiospiel. Das Handling ist fix geklärt. Schaut den Feind, im Rückspiegel auf den Mund und ratet los, welchen Sender er wohl gerade hören mag. Ein Abgleich mit den zur Verfügung stehenden Radiosendern ist dabei unverzichtbar. In der Hoffnung, dass der oder die Andere auch wirklich Radio hört und nicht andere Medien bedient, ist dieses Spiel durchaus eine Herausforderung. Pro erkannten Sender gibt es dafür einen selbstausgeführten Schulterklopfer.

Allerdings sollte man sich nicht zu sehr in dieses Spiel hineinsteigern. Eventuell könnte die Aufmerksamkeit darunter leiden – bezogen auf den restlichen Straßenverkehr und dessen Teilnehmer. Auch ist davon abzuraten, den singenden Ratevorlagen durch Gestiken oder etwaigen Gebrüll Korrekturen zu den getätigten Sangeseinlagen zukommen zu lassen. Nicht immer ist der Typ hinter Dir in dem Mini Couper schrumpelige 1,50m groß.

Viel Spaß beim Nachspielen. Ob nun auf ausgedehnten Touren oder auch auf kurzer Strecke, das Fahren mit dem Auto kann einem ziemlich aufs Gemüt schlagen. Gut beraten ist da der, der seine Wegbegleiter so richtig motivieren kann. Schon weit bevor das periodische „Wann sind wir endlich da?“ vom Beifahrersitz, der Rückbank oder aus dem Kofferraum dringt, kann das Einbringen von selbstmoderierten Autospielen für Kurzweil sorgen.

Dank der jähen Automasse, mit der man sich die Straßen teilen darf oder muss, ist das folgende Spiel absolut unterhaltsam und altersübergreifend spielbar. Voraussetzungen für den optimalen Spielfluss sind die eigene Sehkraft, das Erkennungsvermögen vorab festgelegter Autotypen und das Herausbrüllen selbiger Fahrzeugmarken durch jeden einzelnen Mitspieler. Meine Familie hat auf diese Regeln hin das Smartspiel ins Leben gerufen.

Funktionsweise wie folgt: Jeder erkannte Smart ergibt genau einen Punkt. Wer den Smart zuerst gesehen hat und dies kundtut, darf sich diesen Punkt gutschreiben. Das alleine macht das Smartspiel natürlich noch nicht spannend. Es müssen Sonderkonditionen her. Meine Holde arbeitet bei einer bekannten Rostocker Wohnungsgesellschaft. Nennen wir sie der Einfachheit einfach „Leben in Rostock“ – kurz LiRo. Quert ein Dienstfahrzeug des gleichnamigen Unternehmens den Blick eines Mitspielers und hat er dies nicht nur erkannt, sondern auch vor den Anderen mitgeteilt, darf er sich direkt 10 Punkte einstreichen. Weitere 10 Punkte fallen auf die immer seltener anzutreffenden Trabanten an. Auch Kombinationen lassen den Punktestand nach oben klettern. Quasi der LiRo-Smart und der LiRo-Trabant werden mit je 20 Punkten extra belohnt. Und es gibt sie wirklich. 30 Punkte erhält man für die LiRo-Werbebotschaft auf öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich denke das Prinzip ist klar. Einfach mal ausprobieren. Der Spaß kommt dann AUTOmatisch.

Und noch ein Tipp für „Alleinerumherfahrer“. Falls sich der Verkehr dickflüssig vor, hinter, rechts und links von Euch durch die Straßen quält, dann wird es Zeit für das Radiospiel. Das Handling ist fix geklärt. Schaut den Feind, im Rückspiegel auf den Mund und ratet los, welchen Sender er wohl gerade hören mag. Ein Abgleich mit den zur Verfügung stehenden Radiosendern ist dabei unverzichtbar. In der Hoffnung, dass der oder die Andere auch wirklich Radio hört und nicht andere Medien bedient, ist dieses Spiel durchaus eine Herausforderung. Pro erkannten Sender gibt es dafür einen selbstausgeführten Schulterklopfer.

Allerdings sollte man sich nicht zu sehr in dieses Spiel hineinsteigern. Eventuell könnte die Aufmerksamkeit darunter leiden – bezogen auf den restlichen Straßenverkehr und dessen Teilnehmer. Auch ist davon abzuraten, den singenden Ratevorlagen durch Gestiken oder etwaigen Gebrüll Korrekturen zu den getätigten Sangeseinlagen zukommen zu lassen. Nicht immer ist der Typ hinter Dir in dem Mini Couper schrumpelige 1,50m groß.

Viel Spaß beim Nachspielen.

Das Blatt weiß es nicht

Traurig und zerschlissen hängt ein Blatt am Aste,
wie sturmgepeitschte Stoffreste am Fahnenmaste.
Die anderen wollten nicht bis zum Ende warten.
Drum verrotten Sie da unten, unter ihm im Garten.

Fragend, was nun aus ihm werde,
riss ein Windhauch auch jenes Blatt zur Erde.
Da liegt es nun auf seinesgleichen.
Blatt auf Blatt – totes Laub aus Blätterleichen.

Die Frage, die am Ende steht und bleibt.
Warum das Leben diesen Weg so schreibt?
Die Antwort lautet: So ist die Natur.
Ein ewiger Kreislauf – Routine pur!

Was wäre wenn? Wäre es so leicht?
Und diese knappe Antwort reicht,
um den Sinn des Lebens zu beschreiben.
Würde ich es so halten? Würde ich so verbleiben?

Wir sind uns „Unser“ bewusst.
Da ist es, was es ist!
Der Preis für Liebe, Wärme und Glück im Leben
ist das Bewusstsein – auf Nehmen, folgt geben.

Drum bin ich froh, kein Blatt zu sein.
Lebe mit meinen Liebsten – bin nicht allein.
Lebe mit Erinnerungen – an das, was einst war.
Bin mir meiner bewusst und sehe klar.

Sleeptimer

00:16 Uhr – Aller guten Dinge sind drei. Das heißt, ich hab den Timer an der Glotze zum dritten Mal verlängert. Und ihr Inhalt erbricht sich auf mich. Ohne ein solides Grundgequassel kann ich nicht einschlafen. Konnte ich noch nie. Einst waren es die monotonen Unterrichtsstunden, die mich am Wachbleiben hinderten. Heute ist es zumeist der mediale Eintopf, der mich in meinen Schlaf wiegt. Meine Holde tickt anders. Fernseher an – und weg ist sie. Unsereins braucht etwas länger. Wie bei so vielem.

Der Flackerschirm kotzt weiter, und ich versuche mich in den Schlaf zu lümmeln. Das ist nicht ganz einfach. Ich beanspruche die Creme de la Creme der Eindruselsoße. DMAX ist oft zu interessant, wenn Monsterfische gejagt, Garagen zu Gold, Autos und Bikes restauriert und Alltagsgegenstände in die Luft gejagt werden. Auf Talkshows kann ich auch nicht. Dummes Geschwätz regt auf und hält wach. Kluge Worte aber auch. Mein Favorit in Sachen: „Wie drifte ich perfekt ins Schlummerland ab“ ist Super RTL. Da läuft zur späten Stunde die Dauerwerbeschiene von „Shop 24 Direkt“. Perfekt. Daumen hoch.

Ob nun „Blue Velvet“ von Bobby Vinton aus dem Jahre 1963 oder „House Of The Rising Sun“ von The Animals, diese Songs, die es da auf die Ohren gibt, lassen einen herrlich auf der Autobahn in Richtung „Tiki Taka Trullaland“ beschleunigen. Was muss das damals für eine geile Zeit gewesen sein? Der total „normale“ Alltagswahnsinn von heute war offenbar nicht existent. Das rede ich mir jedenfalls ein. Keine Handys, kein Internet, kein Firlefanz, kein Pipapo. Was würde ich für nur einmal Woodstock geben? Hendrix, Joe Cocker, Richie Havens – handgemachte und mit Herz gelebte Musik. Echt und einfach und sehr charmant.

Heute scheint mir das anders zu sein: Hits, Trends, Mode … alles kommt, geht, wird vergessen. Als hätte nichts mehr Bestand. Die technischen Errungenschaften, die alles vereinfachen sollen, ketten uns an. Damals, als Lausbub, bin ich in den Ferien früh los und spät heim. Keiner musste sich um mich sorgen. Heute gibt es Handys. Erreiche ich meine Lütte nicht, geht das Kopfkino an. Ich werde zur Geisel des Fortschritts. Bleibt nur die Flucht in eine verträumte, vergangene Zeit. Oder nicht? Was weiß ich? „Sweet Dreams“ und Gute Nacht.